Betrachtungen

Entschlafenengottesdienste oder Totenkult?

Gibt es eine Errettung nach dem Tod?

Einleitung

Lieber Neuapostolischer,

nach neuapostolischer Lehre ist eine Errettung noch nach dem Tod des stofflichen Körpers möglich. Darum werden sogenannte Entschlafenengottesdienste abgehalten. Während eines solchen Gottesdienstes sollen die schon Verstorbenen durch die lebenden Apostel der NAK an den "Gnadenhandlungen" teilhaben können, die stellvertretend für die Toten von Lebenden hingenommen werden (F&A Frage 248 u. 249).

Aus der Heiligen Schrift jedoch geht hervor, dass eine Erlösung und Errettung nach dem natürlichen Tod nicht mehr möglich ist. Der Tod markiert eine Grenze, nach deren Übertritt der Mensch keine Möglichkeit zur Umkehr mehr hat (Siehe das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus). Dies geht aus mehreren Textstellen hervor:

"Und zu diesem allen ist zwischen uns und euch (den Bereichen in der Ewigkeit) eine große Kluft festgelegt, damit die, welche von hier zu euch hinübergehen wollen, es nicht können, noch die, welche von dort zu uns herüberkommen wollen." (Luk 16,26)

"Und wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht" (Heb. 9,27)

"Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse" (2Ko 5,10)

Was müssen wir aus diesen Textstellen schließen? Es gibt verschiedene Bereiche in der Ewigkeit. Zwischen diesen Bereichen ist aber eine große Kluft, die niemand überwinden kann. Das Gegenteil aber wird von der NAK gelehrt, denn dies wäre die Voraussetzung zur Errettung Verstorbener. Darüber hinaus müssen wir feststellen: Was ein Mensch zu Lebzeiten geglaubt und getan hat entscheidet über Errettung oder Verdammnis. (Siehe auch: Hebr. 9,27; 2Kor 5,10; Off 20,11-15)

Seelen, denen das Evangelium nicht verkündet werden konnte

Nun wirst Du fragen: "Aber was ist mit den Seelen, die das Evangelium von JESUS CHRISTUS zu Lebzeiten nicht vernehmen konnten, weil es keinen gab, der es ihnen verkündigte?"

Nun, wir Menschen dürfen kein vermeintliches Rettungskonzept konstruieren, das nicht der biblischen Lehre entspricht und damit unter Umständen eine notwendige Entscheidung, die zu Lebzeiten getroffen werden muss, verhindert. Selbst wenn wir nicht wüssten, wie Gott an den Seelen handelt, die nichts von der Errettung durch JESUS CHRISTUS gehört haben, dürfen wir nicht an den Worten Gottes, die uns in der Bibel offenbart werden, vorbei lehren und praktizieren. Gott lässt uns aber nicht im Unklaren über diese Gruppe. Im Römerbrief finden wir folgende Hinweise:

"Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn sein unsichtbares <Wesen>, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien; weil sie Gott kannten, ihn aber weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde." (Röm 1,18-21)

"Denn so viele ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verlorengehen; und so viele unter Gesetz gesündigt haben, werden durch Gesetz gerichtet werden - es sind nämlich nicht die Hörer des Gesetzes gerecht vor Gott, sondern die Täter des Gesetzes werden gerechtfertigt werden. Denn wenn Nationen, die kein Gesetz haben, von Natur dem Gesetz entsprechend handeln, so sind diese, die kein Gesetz haben, sich selbst ein Gesetz. Sie beweisen, daß das Werk des Gesetzes in ihren Herzen geschrieben ist, indem ihr Gewissen mit Zeugnis gibt und ihre Gedanken sich untereinander anklagen oder auch entschuldigen - an dem Tag, da Gott das Verborgene der Menschen richtet nach meinem Evangelium durch Jesus Christus." (Röm 2, 12-16)

Jeder Mensch also kann den HERRN und seinen Willen, zum einen in seiner Schöpfung und zum anderen im eigenen Gewissen, erkennen und wahrnehmen. Niemand kann sich entschuldigen für sein sündiges Handeln und seinen Unglauben. Das eigene Gewissen legt Zeugnis ab über die Existenz Gottes. Jeder hat aufgrund dieser Erkenntnis die Möglichkeit, sich dem Schöpfer unterzuordnen und ihm zu dienen.

 

Schwester X hat geträumt

Um die Richtigkeit der neuapostolischen Glaubenspraxis der Entschlafenengottesdienste zu stützen, wird oft von Träumen und Visionen der Geschwister, als Beispiele für die Wirksamkeit und das Verlangen der Seelen in der Ewigkeit, in den Gottesdiensten und der Zeitschrift Unsere Familie berichtet.

Was ist von solchen Berichten zu halten, können wir Träume als Beweis für die Richtigkeit einer Sache verwenden, was sagt der HERR zu solchen Träumen?

Auch hierauf gibt die Bibel wieder eine Antwort:

"Ich habe gehört, was die Propheten sagen, die in meinem Namen Lüge weissagen und sprechen: Mir träumte, mir träumte! Wie lange <noch>? Haben die Propheten <etwa> im Sinn - sie, die Lüge weissagen und Propheten des Truges ihres Herzens sind -, beabsichtigen sie <etwa>, meinen Namen bei meinem Volk in Vergessenheit zu bringen durch ihre Träume, die sie einer dem anderen erzählen, so wie ihre Väter meinen Namen über dem Baal vergaßen? Der Prophet, der einen Traum hat, erzähle den Traum! Wer aber mein Wort hat, rede mein Wort in Wahrheit! Was hat das Stroh mit dem Korn gemeinsam? spricht der HERR." (Jer. 23,25-28)

 

Neuapostolische "Schriftbelege"

Können die von der NAK zur Rechtfertigung ihrer Lehre angeführten Bibelstellen -bei näherer Betrachtung- diesem neuapostolischen Anspruch gerecht werden?

1Kor 15,29:

"Was werden sonst die tun, die sich für die Toten taufen lassen? Wenn überhaupt Tote nicht auferweckt werden, warum lassen sie sich denn für sie taufen?"

Eine Textstelle, die besonders gern in diesem Zusammenhang zitiert wird. Es gibt mehrere Auffassungen zu dieser Textstelle. Die eine, dass hier eine stellvertretende Taufe, der schon Verstorbenen durch die noch lebenden vollzogen wurde (Auffassung der NAK), die andere, dass die, welche sich taufen ließen die Lücken ausfüllten, die durch jene entstanden, welche ihres Glaubens wegen den Märtyrertod sterben mussten. Damals fiel die Taufe und die darauf folgende Verfolgung und der daraus oft resultierende Märtyrertod in einen engen zeitlichen Zusammenhang, so dass man hier von einer Taufe an Stelle der Toten und nicht stellvertretend für die Toten sprechen kann. Eine andere Auffassung meint, dass das Griechische auch bedeuten kann: >getauft wegen der Toten<. Dann kann damit eine Taufe von Menschen gemeint sein, die durch das Zeugnis eines jüngst verstorbenen Christen beeinflusst worden sind, und hoffen, mit ihm bei der Auferstehung vereint zu sein.

Der Apostel Paulus erwähnt hier diese Handlung. Er lässt aber völlig offen, wie er dieses Tun bewertet, denn es geht in diesem Kapitel nicht um die Taufe, geschweige denn um eine Möglichkeit der Errettung nach dem Tod, sondern um die Realität der Auferstehung JESU CHRISTI. Aus dieser Textstelle die neuapostolische Glaubenspraxis ableiten zu wollen heißt, sein Haus auf Sand zu bauen. Darüber hinaus müssen wir uns fragen, warum das Neue Testament an keiner Stelle davon berichtet, dass Lebende stellvertretend für Tote das Abendmahl empfingen und "versiegelt" wurden (Zur Versiegelung möchte ich auf den Aufsatz "Der Heilige Geist in der NAK" auf dieser Website hinweisen).

1 Petrus 4,6:

"Denn dazu ist auch den Toten gute Botschaft verkündigt worden, damit sie zwar den Menschen gemäß nach dem Fleisch gerichtet werden, aber Gott gemäß nach dem Geist leben möchten."

Wer ist denn mit diesen Toten gemeint? Die Gläubigen bzw. gehorsamen Entschlafenen des Alten Bundes, oder die Ungläubigen? Zu welchem Zweck, wann und von wem wurde diesen das Evangelium verkündigt?

Die Antwort auf diese Fragen kann lauten: "Dieser Vers bezieht sich auf Menschen, denen das Evangelium gepredigt wurde, als sie noch auf Erden lebten und dem Herrn glaubten. Wegen ihres tapferen Einstehens für die Wahrheit litten sie von den Händen böser Menschen und in einigen Fällen wurden sie sogar zu Märtyrern. Diese Gläubigen, obwohl sie >den Menschen gemäß nach dem Fleisch gerichtet< oder verurteilt worden sind, wurden von >GOTT< gerechtfertigt. Sie genießen nun das ewige Leben bei ihm. Sie waren nicht tot, als ihnen das Evangelium gepredigt wurde. Doch sie sind jetzt leiblich tot..." (William Mac Donald).

1.Petrus 3,19-20:

"In diesem ist er auch hingegangen und hat den Geistern im Gefängnis gepredigt, die einst ungehorsam gewesen waren, als die Langmut Gottes in den Tagen Noahs abwartete, während die Arche gebaut wurde, in die wenige, das sind acht Seelen, durchs Wasser hindurch gerettet wurden."

Mit >diesem< in Vers 19 ist der Heilige Geist aus Vers 18 gemeint. Wenn dort in Vers 18 >dem Geist< steht, dann ist im NT immer vom Heiligen Geist die Rede. Dies weist H.L. Heijkoop in seinem Kommentar zum 1. Petrusbrief ab S. 333 eindrucksvoll und eindeutig nach.

Das heißt: Er, der von Anbeginn der Welt da war, JESUS CHRISTUS, war im Heiligen Geist schon zu Noahs Zeiten anwesend und hat das Evangelium durch die Predigt des Noah verkündigt.

Selbst wenn die Stelle so ausgelegt werden müsste, wie sie die NAK sieht, nämlich, dass Christus im Totenreich persönlich -im neuapostolischen Sinne- das Evangelium verkündigt hat, wie kann man daraus die NAK-Praxis ableiten, dass lebende Menschen als Mittler zwischen Gott und den Menschen auftreten und den Verstorbenen die Taufe, das Abendmahl und die "Versiegelung" meinen spenden zu können? Im 1. Brief des Timotheus heißt es:

"Denn {einer} ist Gott, und {einer} ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus,..." (1Tim 2,5)

2Mak 12,39-46:

Das zweite Buch der Makkabäer gehört zu den sogenannte Apokryphen, dieses Buch ist deshalb der Heiligen Schrift nicht gleichzusetzen, da seine Herkunft und sein Inhalt zum Teil zweifelhaft ist. Selbst die NAK hält dies sinngemäß in ihrem Katechismus -Das Buch Fragen und Antworten über den neuapostolischen Glauben in der Frage 8- fest. Warum begibt sich die NAK auf solches Glatteis? Nicht umsonst verzichten die meisten Bibelübersetzungen auf dieses Buch. Doch wenn diese Stelle angesprochen wird, dann gilt es zu bedenken, dass dort davon ausgegangen wird, dass diese zwar sündig, aber in der Hoffnung der Auferstehung entschlafen sind. Hier der Text im Zusammenhang:

"Wenn er nicht erwartet hätte, dass die Gefallenen auferstehen würden, so wäre es überflüssig, ja töricht gewesen, für Tote zu bitten, Sodann aber bedachte er auch, dass denen, die als fromme Leute entschlafen, die herrlichste Gnadengabe bereitet ist, das ist ein frommer und heiliger Gedanke. Darum hat er auch für diese Toten ein Sühnopfer dargebracht, damit sie von ihrer Sünde erlöst würden" (2Mak 12, 44-46)

 

Was bleibt ?

Angesichts dieser vorgenannten Textstellen lässt sich also keine Entschlafenenpraxis -wie sie in der NAK praktiziert wird- ableiten, geschweige denn beweisen. Im Zusammenhang mit den Hinweisen der Heiligen Schrift, die ich weiter oben schon angeführt habe, muss man dieses Handeln als falsch beurteilen.

Selbst wenn wir nicht jede Möglichkeit des Heilsplans Gottes für jede einzelne Seele eindeutig kennen sollten, dürfen wir doch nicht eigenmächtig versuchen, eine Erlösungsmöglichkeit zu schaffen. Dies müssen wir unserem GOTT überlassen, der einzige, der die Möglichkeit hat Seelen zu retten.

Lieber Neuapostolischer, ich möchte Dich nicht persönlich angreifen. Mir ist aus eigener Erfahrung bewusst, dass es schwer fällt diese grundlegenden Dinge des Glaubens auf den Prüfstand zu stellen. Ich möchte Dir aber helfen, den von Gott gelegten Weg der Errettung zu erkennen.

Ich bitte Dich, prüfe die Lehre, der Du folgst und die Dir verkündet wird an dem geschriebenem Wort Gottes (1Thess 5,21; Apg 17,11). Auch das was ich geschrieben habe übernimm nicht, ohne es an der Bibel zu prüfen. Ergeben sich Widersprüche zwischen der Lehre, die Dir durch Menschen verkündigt wird und der Heiligen Schrift, dann musst Du Dir die Frage beantworten: "Wem vertraue ich mehr, Gott, der sich durch die Heilige Schrift offenbart (2Tim 3,16) oder den Menschen, die irren können?"

"Denn einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus." (1Kor 3,11)

"...damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe. Denn so hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen (einzigen) Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat" (Joh 3,15-16)

In Liebe und Demut

Lutz Jusko

 

Hinweis

Alle Bibelzitate -außer die, der Apokryphen- sind der Revidierten Elberfelder Bibel von 1985 entnommen. Die Apokryphen sind der Revidierten Lutherbibel von 1984 entnommen.

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