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Betrachtungen
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Der „Tag der ersten Auferstehung“
Das Glaubensziel der Neuapostolischen

Einleitung

Glaubensziel eines jeden Neuapostolischen ist die Teilnahme am „Tag der ersten Auferstehung“. Man bittet im Gebet um die Verkürzung der Zeit, um die baldige Wiederkunft Christi zur Heimholung seiner Braut. Diese Braut ist die Brautgemeinde, die treuen Mitglieder der Neuapostolischen Kirche. Nach neuapostolischer Lehre ist der „Tag der ersten Auferstehung“ der Tag, an dem Christus zur Entrückung der Gemeinde zurückkehrt und die im (neuapostolischen) Glauben Entschlafenen auferstehen werden. Zusammen mit den noch Lebenden werden die Auferstandenen dann im Himmel an der Hochzeit des Lammes teilnehmen, um anschließend auf der Erde mit Jesus das „Tausendjährige Friedensreich“ aufzurichten.

Mit dieser Auffassung stehen die Neuapostolischen nicht allein da. Der Prämillenarismus (Lehre von der Entrückung vor einer großen Drangsal, verbunden mit einem sich anschließenden „Tausendjährigen Reich“) und der Dispensationalismus (Lehre von unterschiedlichen Haushaltungen / Epochen Gottes mit den Menschen / Israel) wird in vielen Freikirchen und evangelikalen Gemeindebewegungen gelehrt.

Interessanterweise waren es gerade die so genannten Irvingianer und Darbysten (Brüderbewegung) im 19ten Jahrhundert, die diese Lehre haben aufkommen lassen. Edward Irving, ein einflussreiches Mitglied der Katholisch-apostolischen Bewegung, einer Wegbereiterin der heutigen Neuapostolischen Kirche, trug maßgeblich zur Verbreitung der bis dahin nahezu unbekannten Lehre bei. Den vielen evangelikalen Gemeinden und Freikirchen von heute sollte bewusst sein, dass sie diesbezüglich einem Gedankengut der Katholisch-apostolischen Bewegung des 19ten Jahrhunderts sowie der Brüderbewegung folgen.

 

Der zu klärende Bibeltext
„Glückselig und heilig ist, wer Anteil hat an der ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm regieren 1000 Jahre.“ (Off 20, 6). Dies ist die zentrale Bibelstelle in der Offenbarung, in der von einer ersten Auferstehung die Rede ist.

 

Ein Grundsatz der Bibelauslegung ist es, die Bibel mit der Bibel auszulegen. D.h. klare Bibelstellen erklären die unklaren Bibelstellen und nicht andersherum, wie es oft leider geschieht.

 

Provokante These
Ist mit der „Ersten Auferstehung“ eine leibliche Auferstehung gemeint? Wenn ja, dann müsste an dieser Stelle nicht „Erste Auferstehung“ stehen, sondern „Zweite Auferstehung“ - sollte die Stelle so zu verstehen sein, wie von vielen propagiert! Denn die erste Auferstehung fand vor fast 2000 Jahren in Jerusalem statt, als Jesus von den Toten auferstanden ist. Er ist der Erstling unter den Auferstandenen (1 Ko 15, 23). Dies war die erste Auferstehung der Weltgeschichte! Diese erste Auferstehung ist in Off 20, 6 sicher nicht gemeint!

 

Die Auferstehung der Gläubigen am jüngsten Tage
Die leibliche Auferstehung derer, die zu Christus gehören, findet am jüngsten Tag statt. Das ist der letzte Tage der Weltgeschichte. Dies schließt eine Vorentrückung vor einer großen Drangsal aus. Jesus selbst sagt dies ganz deutlich mehrfach im Evangelium nach Johannes: 


„Und das ist der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich es auferwecke am letzten Tag. Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben hat; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.“ (Joh 6, 40) 


„Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass ihn der Vater zieht, der mich gesandt hat; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.“ (Joh 6, 44) 


„Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.“ (Joh 6, 54) 


Eindeutiger und klarer geht es kaum: die Gläubigen werden am letzten Tag auferweckt. Dies schließt eine Auferweckung nebst Entrückung vor einer großen Drangsal aus. Somit kann die „Erste Auferstehung“ - sollte diese mit der Auferstehung der Gläubigen gleichgesetzt werden - nicht vor dem letzten Tag der Weltgeschichte stattfinden.

 

Erste Auferstehung eine leibliche Auferstehung?
Offensichtlich kann mit der „Ersten Auferstehung“  in Off 20, 6 keine leibliche Auferstehung der Gläubigen gemeint sein, denn die leibliche Auferstehung findet am Ende der Zeit statt. Könnte es sich um eine geistliche Auferstehung des inwendigen Menschen handeln? Tatsächlich gibt es dafür klare Zeugnisse im Neuen Testament. Jesus selbst sagt uns: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Die Stunde kommt und ist schon da, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie hören, werden leben.“ (Joh 5, 24-25). Dies ist eine direkte Entsprechung zu Joh 20, 6. Offensichtlich spricht Jesus vom geistlichen Tod und vom geistlichen ewigen Leben. So weiß auch Paulus von diesem Tod zu reden: „Er hat auch euch, die ihr tot wart in den Übertretungen und dem unbeschnittenen Zustand eures Fleisches, mit ihm lebendig gemacht, indem er euch alle Übertretungen vergab;“ (Kol 2, 13)

Hier erhalten wir auch einen wichtigen Hinweis, wann diese Lebendigmachung geschieht. Nicht in der Zukunft, sondern sie ist beim Gläubigen bereits geschehen. Nämlich in dem Augenblick, als Gott dem Gläubigen die Sünden vergab. Wann geschieht dies? Bei der Bekehrung in der Taufe. So schreibt Paulus einige Verse vorher: „... da ihr mit ihm begraben seid in der Taufe. In ihm seid ihr auch mitauferweckt worden durch den Glauben an die Kraftwirkung Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat.“ (Kol 2,12)

Die „Erste Auferstehung“ ist also das Mitauferstehen mit Christus in der Taufe bzw. in der Bekehrung. So ist auch das Herausheben des Täuflings aus dem „Wassergrab“ bei der biblisch durchgeführten Taufe ein Bild für die Auferstehung. Durch die Bekehrung in der Taufe entsteht eine neue Kreatur, die der Sünde gestorben ist. Dies macht Pauls den Römern noch einmal ganz deutlich: „Oder wisst ihr nicht, dass wir alle, die wir in Christus Jesus hinein getauft sind, in seinen Tod getauft sind? Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, gleichwie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters aus den Toten auferweckt worden ist, so auch wir in einem neuen Leben wandeln." (Röm 6, 3-4)

So sind die Segnungen in Offenbarung 20, 6 auch schon jetzt für die Gläubigen wirksam: Seligkeit, Heiligkeit, Priesterschaft, Regentschaft mit Christus - der zweite Tod hat keine Macht mehr über den Glaubenden. Das alles gilt schon jetzt für jeden, der sich durch Christus erretten lässt.

Tatsächlich ist in Offenbarung 20, 6 nicht explizit von einer leiblichen Auferstehung die Rede, sondern Johannes sieht in Vers 4 die Seelen derer, die unter der Verfolgung litten, am Thron Gottes. Es ist ein Trostwort für die, die im ersten und zweiten Jahrhundert unter Verfolgung litten und den Märtyrertod starben.

Paulus schreibt an die Epheser, als hätte er schon gewusst, was Johannes in seiner Vision sehen wird: „Gott aber, der reich ist an Erbarmen, hat um seiner großen Liebe willen, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren durch die Übertretungen, mit dem Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr errettet! – und hat uns mitauferweckt und mitversetzt in die himmlischen [Regionen] in Christus Jesus, damit er in den kommenden Weltzeiten den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade in Güte an uns erweise in Christus Jesus.“ (Eph 2, 4-7)

 

Ist das Glaubensziel abhanden gekommen?
Das Glaubensziel der Neuapostolischen ist die Teilnahme an der ersten Auferstehung. Ist dieses Glaubensziel nun obsolet? So einfach kann man dies nicht sagen. Man kann ebenso nicht sagen, dass die Mitglieder der Neuapostolischen Kirche ein Ziel verfolgen, das nicht existiert. Doch ist die „Erste Auferstehung“ keine leibliche Auferstehung, sondern eine geistliche Auferstehung, die schon jetzt und hier zu Lebzeiten geschehen muss. Die leibliche Auferstehung sowie die Entrückung der Gläubigen geschieht am Ende der Zeit! Neuapostolische warten richtigerweise auf die Wiederkunft Christi verbunden mit der leiblichen Auferstehung der Gläubigen und der Entrückung der noch Lebenden. Neuapostolische werden jedoch von ihren Aposteln falsch darüber informiert, was vorher geschehen muss (Erste Auferstehung), wozu Christus zurückkehrt (Auferstehung aller Menschen) und was danach geschehen wird (Tausendjähriges Reich / Neuer Himmel / Neue Erde). Dadurch stehen Neuapostolische in der realen Gefahr, das eigentliche Ziel, die ewige Gemeinschaft mit Gott, zu verpassen! Insbesondere deshalb, weil sie die „Erste Auferstehung“ falsch deuten und in die Zukunft „vertagen“!