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Sündenvergebung
in der Neuapostolischen Kirche

Einleitung
In der Neuapostolischen Kirche wird gelehrt, dass eine Vergebung der Sünden ausschließlich durch die Freisprache eines Apostels oder eines von ihm beauftragten priesterlichen Amtes erlangt werden kann.

 

Aus dem Katechismus1) der NAK Frage 110:

 

"Durch eine bußfertige Gesinnung und einen lebendigen Glauben an die durch die Apostel Jesu angebotene Gnade in dem Wort der Vergebung und in den Gnadentaten der Sakramente können die Menschen Erlösung von den Sünden und Versöhnung mit Gott finden" (2. Korinther 5, 18-20)

 

Die NAK stützt sich u.a. auf Johannes 20,21-23:

 

"Wenn ihr jemandem die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, wenn ihr sie jemandem behaltet, sind sie <ihm> behalten."

 

und auf die Verse 18-20 im 5. Kapitel des 2. Briefes des Paulus an die Korinther:

 

"Alles aber von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat,<nämlich> daß Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnete und in uns das Wort von der Versöhnung gelegt hat."

 

Man leitet unter anderem aus diesen beiden Bibelstellen einen Absolutheitsanspruch ab: Nur durch Apostel kann die Vergebung der Sünden erlangt werden, die Apostel tragen das Amt, welches die Menschen mit Gott versöhnt, das Amt der Versöhnung. Da es laut neuapostolischer Lehre nur in der NAK wahre Apostel gibt, ist auch nur in dieser Kirche die Vergebung der Sünden und die Versöhnung mit Gott möglich. Alle anderen Menschen müssen, wenn sie nicht an die "neuen" Apostel glauben und aus ihrem Munde die Freisprache der Sünden hinnehmen, in ihren Sünden sterben.

 

Amt oder Dienst der Versöhnung?
Gehen wir zunächst etwas näher auf den Vers 18 im 2. Korintherbrief Kapitel 5 ein. Nur Luther übersetzt hier das Wort diakonian 2) = diakonian mit "Amt". Die meisten anderen Bibelübersetzer verwenden hier das Wort "Dienst". Als Übersetzung für diakonian können die Begriffe Dienst, Hilfeleistung oder Unterstützung verwendet werden 3). Da die Lutherbibel von 1912/1984 die bevorzugte Bibelfassung der Neuapostolischen Kirche ist, passt der Begriff "Amt" natürlich sehr gut zur exklusiven Lehre dieser Kirche.

 

Hier kann aber nicht gemeint sein, dass Gott eine Personengruppe, deren Zugehörige das Amt eines Apostels tragen, damit beauftragt hat die Versöhnung zwischen Gott und den Menschen zu schaffen. Warum dies nicht so sein kann, wird schnell klar, wenn wir uns den ersten Teil des 18. Verses genau ansehen. Hier steht: "...der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Christus...". Hier wird zweifelsfrei erkennbar, dass Gott uns mit sich versöhnt hat. Wer versöhnt ist, braucht nicht mehr versöhnt zu werden! Gott hat uns, die wir an Jesus Christus glauben, durch Jesus Christus versöhnt.

 

Worin besteht dann der Dienst der Versöhnung? Das sagt uns der Herr im 19. Vers: "...<nämlich> daß Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte...". Das Gott in Christus auf dieser Welt war und uns mit sich versöhnte, dies können wir als Dienst der Versöhnung auffassen. Jesus Christus ist für uns in den Tod gegangen, hat alle Schuld der Welt auf sich geladen und hat für uns bezahlt, damit wir, erkauft durch sein Blut, einst gerechtfertigt vor Gott stehen können.

 

Mit Dienst der Versöhnung kann man auch die Verkündigung dieses Evangeliums verstehen, Menschen mit diesem Evangelium bekannt zu machen damit, wenn sie es für sich angenommen haben, auch sie Vergebung ihrer Sünden durch den Glauben an Jesus Christus erfahren und damit versöhnt mit Gott sind. Dieser Dienst ist nicht auf Apostel beschränkt, denn jeder gläubige Christ ist aufgefordert dieses Evangelium zu verkünden. Man kann annehmen, dass Paulus, wenn er von "uns" spricht nicht nur die Apostel meint, sondern auch die anderen Jünger und Diener, welche die Gemeinden pflegen und das Wort Gottes in die Welt tragen.

 

Eine Versöhnung mit Gott durch Menschen (Apostel) kann hier nicht gemeint sein, sie käme einer Mittlertätigkeit gleich. Leider spricht die NAK im Zusammenhang mit ihrem "neuen" Apostelamt sehr häufig von einem Mittleramt. Die Versöhnung mit Gott ist der wesentliche Akt, der den Menschen errettet und das ist etwas, was nur unserem Herrn möglich ist:

 

"Denn {einer} ist Gott, und {einer} ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus" (1.Tim 2,5)

 

Sündenvergebung nur durch Freisprache?
"Nur durch die Freisprache eines Apostels kann der Mensch von seinen Sünden frei werden", so behauptet es die Neuapostolische Kirche. Man bezieht sich hierbei im Kern auf Joh 20,23. Ich habe immer wieder festgestellt, dass diese Bibelstelle falsch zitiert wird. Es wird zitiert: "wem ihr die Sünden vergebt...". Aus diesem falschen Zitat kann man natürlich sehr schnell ableiten, dass nur wem die Apostel vergeben, die Sünden vergeben sind. Tatsächlich steht aber geschrieben:

"Wenn ihr jemandem die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, wenn ihr sie jemandem behaltet, sind sie <ihm> behalten"

 

In der Luther-Übersetzung steht an dieser Stelle "welchen", was sehr stark an "wem" erinnert. Durch das Wort "Wenn" bekommt diese Stelle eher die Bedeutung einer Möglichkeit, anstatt einer Ausschließlichkeit.

 

Es gibt nun viele Auslegungen zu dieser Stelle, auf die ich nicht im einzelnen eingehen möchte. Ich möchte sie nur kurz benennen:

 

  1. Hier ist eine Zwischenmenschliche Vergebung gemeint in dem Sinn, dass einer dem anderen vergeben kann, diese Sünden aber vor Gott dadurch nicht vergeben sind
  2. Jesus hat seinen Aposteln die Macht gegeben Sünden zu vergeben und zu behalten
  3. Die verheißene Macht und gegebene Autorität steht im Zusammenhang mit der Predigt des Evangeliums, das verkündigt, zu welchen Bedingungen Sünden vergeben werden, und, wenn diese Bedingungen nicht erfüllt werden, dass dann die Sünde behalten wird4)
  4. Jesus spricht zu den Jüngern als Gruppe (die Verben stehen im Plural). Obwohl der Mensch keine Macht hat, Sünden zu vergeben, kann er doch aufgrund dessen, was Gott in Christus getan hat, die Vergebung zusprechen. Er kann dies, sofern der Heilige Geist in ihm wirkt und ihn zum Boten Jesu Christi macht...Da Vers 23 dem Hinweis auf die Gabe des Geistes folgt, und die Worte nicht auf Apostel beschränkt sind, ist die hier gegebene Vollmacht eine allgemeine und nicht auf Christen in bestimmten Ämtern beschränkt; vgl. Mt 16,18-19; 18, 18-19 5)

 

Nur Gott kann Sünden vergeben!
Dass Menschen hier die Macht bekommen haben sollen, Sünden zu vergeben, in dem Sinne, dass durch ihr Wort die Schuld vor Gott getilgt ist und damit der Mensch nicht mehr unter die Folge der Sünde kommen muß, ist zu verwerfen, da die biblische Lehre dem entgegenspricht. Nur Gott kann Sünden vergeben! Das lehrt die Heilige Schrift unmißverständlich:

 

"Was redet dieser so? Er lästert. Wer kann Sünden vergeben außer einem, Gott?" (Mk 2,7)

 

"Seid aber zueinander gütig, mitleidig, und vergebt einander, so wie auch Gott in Christus euch vergeben hat!" (Eph 4,32)

 

Weitere Textstellen, die diese Tatsache deutlich machen sind : 1.Joh. 1,9; Dan 9,9; s 130,4 usw.

 

Nur der Herr selbst kann uns von unserer Schuld befreien. Kein Mensch kann sich auf Grund dieser klaren biblischen Aussagen anmaßen, Sünden im göttlichen Sinne vergeben zu wollen, dies ist etwas, dass im Hoheitsbereich unseres Herren liegt. Wie kommen wir dann unter die Vergebung der Sünden? Durch den Glauben an Jesus Christus!

 

Durch den Glauben an Jesus Christus!
Durch den Glauben an Jesus Christus sind dem Menschen die Sünden vergeben. Er hat für die Menschen die Folge der Sünde auf sich genommen, er hat stellvertretend für uns gelitten, er hat unsere Seelen durch sein Blut erkauft, er hat den Tod auf sich genommen, weil wir sündigen und ansonsten keine Chance auf Errettung vor dem ewigen Tod -der Sünde Lohn- hätten. Wer seine Sünden bekennt, Buße tut und dieses Evangelium glaubt, dem sind die Sünden vergeben.

 

"Diesem geben alle Propheten Zeugnis, daß jeder, der an ihn glaubt, Vergebung der Sünden empfängt durch seinen Namen" (Apg 10,43)

 

"Daher sagte ich euch, daß ihr in euren Sünden sterben werdet; denn wenn ihr nicht glauben werdet, daß ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben" (Joh 8,24)

 

Weitere Stellen: Jak 5,15; Röm 3,25; Apg 13,38-39; Apg 26,18; usw.

 

Wer also dem Herrn nachfolgt, an ihn glaubt, der ist freigemacht und kann durch Jesus Christus zu Gott dem Vater kommen. So sagte auch Jesus Christus selbst: "...Niemand kommt zum Vater als durch mich" (Joh 14,6)

 

Nehmen wir einmal an, den Jüngern wurde von Jesus tatsächlich die Macht gegeben im göttlichen Sinn Sünden zu vergeben. Was würde das bedeuten? Nichts weiter, als dass die Jünger des Herrn diese Macht besaßen. Nicht weniger und nicht mehr! Man kann aber keinesfalls im Hinblick auf die oben angeführte Tatsache, nämlich dass der Glaube an Jesus Christus die Vergebung bewirkt, einen Absolutheitsanspruch ableiten, der unabdingbar die Freisprache eines Apostels notwendig macht. Aber selbst dieser Annahme spricht entgegen, dass nur der Herr Sünden vergeben kann!

 

Keine Vergebung in der nachapostolischen Zeit?
Wenn eine Sündenvergebung nur durch die Freisprache eines Apostels erfolgen könnte, dann wäre eine Vergebung der Sünden nach dem Tode des letzten Apostels nicht mehr möglich gewesen. Da es aber darauf ankommt, was ein Mensch zu Lebzeiten geglaubt und getan hat (Hebr 9,27; Luk Kap 16; 2.Kor 5,10) muß auch für die Menschen in der nachapostolischen Zeit die Möglichkeit der Sündenvergebung bestanden haben und heute noch bestehen. Die NAK möchte diesem Dilemma durch sogenannte Entschlafenengottesdienste entgehen, in denen auch den Verstorbenen die Sakramente der NAK zuteil werden sollen. An dieser Stelle möchte ich aber nicht weiter auf diese Praxis eingehen.

 

Die Möglichkeit der Sündenvergebung, die uns der Herr durch die Heilige Schrift lehrt, nämlich der Glauben an Jesus Christus, die Annahme des Evangeliums eröffnet jedem Menschen die Möglichkeit, unter die Vergebung zu kommen, unabhängig von bestimmten Menschen (Ämter, Priester, Pastoren, Apostel). Jesus Christus sagte ja auch: "Ich will bei euch sein alle Tage...."(Mt 28,20), also auch in der apostellosen Zeit. Was bedeutet das? Das bedeutet: "wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird {nicht} dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt (Joh 4,14), und :"Wer den Sohn hat, hat das Leben..."(1Joh 5,12). Wenn Jesus selbst sagt, dass er alle Tage bei den Jüngern sein wird, dann besteht auch an allen Tagen die Möglichkeit zur Errettung!

 

Vergebung in Etappen?
Wir müssen uns vor Augen führen, Jesus Christus ist einmal ans Kreuz gegangen um Erlösung für die Menschen zu schaffen. Er ist einmal gestorben, damit alle Schulden getilgt sind. Er hat einmal die Schuld der ganzen Welt auf sich genommen, alle Unvollkommenheiten und alle Sünde, die der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Das heiß er hat einmal für alle Sünden bezahlt. So sind mit einem Mal alle Sünden derjenigen vergeben, die das Evangelium annehmen. (Jes 53,5; Mt 26,28; Eph 1,7 usw.). Wie seltsam mutet da die Praxis der NAK an, dass durch Freisprache die Sünden des vorhergegangenen Zeitabschnittes, seit der letzten Sündenvergebung, getilgt sein sollen. Welche Auswirkungen dies hätte, beschreibt ein ehemaliger "Stammapostel" so: "Wenn wir nach einer durchlebten Woche belastet vor den Herrn treten und sind durch die Bedienung aus seinem Geiste abgewaschen, geheiligt und gerecht gemacht, und es würde dann das eine oder das andere plötzlich aus dem Diesseits abgerufen, dann geht eine solche Seele in diesem erlösten Zustand in die Ewigkeit. Wie anders wäre es, wenn der Tod vor einem Gottesdienst, wenn die Belastungen einer ganzen Woche auf der Seele liegen, eintreten würde..."6).

 

Diese Auffassung steht im Widerspruch zu den Aussagen des Neuen Testaments. Die Heilige Schrift lehrt, das der Gläubige erlöst ist:

 

"Und von Jesus Christus, <der> der treue Zeuge <ist>, der Erstgeborene der Toten und der Fürst der Könige der Erde! Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden erlöst hat durch sein Blut" (Offb 1,5)

 

Es gibt keine verschiedenen Stufen der Erlösung. Der Gläubige ist versöhnt mit Gott (2Kor 5,18) durch Jesus Christus und damit von seinen Sünden erlöst.

 

"...und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden" (Jes 53,5)

 

Voraussetzungen zur Vergebung der Sünden
Die Heilige Schrift berichtet im Zusammenhang mit der Sündenvergebung noch über zahlreiche Charaktereigenschaften und Voraussetzungen, die der Mensch mitbringen muß, bzw. die erfüllt sein müssen oder sollen, damit eine Vergebung möglich wird. Man sollte sich jedoch hüten, auch hier wieder Absolutheitsansprüche ableiten zu wollen. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Texte im Sinnzusammenhang der Heiligen Schrift gesehen werden. Ich möchte hier nur noch kurz die einzelnen Merkmale nennen und jeweils eine Textstelle dazu anführen:

 

Buße

"Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden! Und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen" (Apg 2,38)

 

Vergebungsbereitschaft

"Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben;" (Mt 6,14)

 

Sünden bekennen

"Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit." (1Jo 1,9)



Quellen
1) Fragen und Antworten über den neuapostolischen Glauben, Neuapostolische Kirche International, Zürich 1992
2) Interlinearübersetzung, Griechischer Text: Nestle-Aland-Ausgabe, Ernst Dietzfelbinger, Deutsche Bibelstiftung 1981
3) Kleines Wörterbuch zum Neuen Testament Griechisch-Deutsch, Rudolf Kassühlke, Deutsche Bibelgesellschaft 1997
4) Kommentar zum Neuen Testament, William Mac Donald, Bible Workshop Vers.,1997
5) Kommentar zur Bibel, Donald Guthrie und J. Alec Motyer, R. Brockhaus Verlag Wuppertal 1980
6) Die Neuapostolischen, Hans Engeland, Agentur des rauhen Hauses Hamburg