Denkwürdiges

Pfingsten 2004

Meine Eindrücke in der Neuapostolischen Kirche

 
Mein persönliches Pfingsterleben beim Besuch des Stammapostelgottesdienstes

Mehrere Jahre war ich nicht mehr in einem Gottesdienst der neuapostolischen Kirche. Lange schon wollte ich wieder einen besuchen, um zu sehen, ob und was sich so verändert hat. Als ehemaliger Neuapostolischer, der nun die NAK kritisiert, möchte ich auf dem Laufenden sein und bleiben. Heute nun war es soweit. Angeregt durch ein E-Mail und meine Neugier, machte ich mich auf den Weg.

Aufgeregt und mit butterweichen Knien betrat ich das Kirchengebäude. Das Vorprogramm des Übertragungsgottesdienstes lief bereits. Mir viel sofort die bekannte Atmosphäre auf, die bewusst oder unbewusst erzeugt wird. Mit Bildern und Filmchen aus vergangenen Zeiten, von bereits verstorbenen Stammaposteln, wurde einem vor Augen geführt wie schön, erhaben, selig und letztlich heilig doch die Stätte sei, an der der Gottesdienst stattfinden wird. Durch die besonders sakrale Musikuntermahlung wurde dieses alles noch verstärkt.

Während der Ankündigung vor dem Gottesdienst bezeichnete ein höherer Amtsträger, die nun kommenden Personen als die gesandten Jesu. Es konnte also losgehen, die Apostel Jesu sollten nun kommen.

Die Spekulationen des Stammapostels

Der Gottesdienst begann. Die erste Überraschung war das vorgelesene Textwort aus Apg. 2,1 "Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander." Nun, eigentlich war es keine Überraschung, denn zu den Gottesdiensten wurde auch zu "meiner NAK-Zeit" selten mehr als nur ein Vers vorgelesen, manchmal nur ein Teil eines Verses. Ich dachte: "Was aber will der Stammapostel aus diesem Vers machen? Worin liegt die Aussage dieses Verses? Aus dem Zusammenhang gerissen hat der Vers nur wenig Bedeutung!" Der Stammapostel bezog nun das "waren sie alle an einem Ort beieinander" auf die NAK. Er spekulierte, dass wohl Pfingsten (das biblisch- historische Pfingsten) nicht hätte stattfinden können, wenn alle auf hundert Häuser verteilt gewesen wären. Entschuldigung, aber woher weiß der Stammapostel das? so etwas steht nicht in der Bibel und man kann sich wohl kaum anmaßen, beurteilen zu wollen, wie Gott unter anderen Gegebenheiten handelt. Diese Spekulation als Ausgangpunkt nehmend, schlussfolgert Stammapostel Fehr, dass alle an einem Ort sein müssen, wollen sie Segnungen hinnehmen. Er meint natürlich die NAK in dem er dieses "an einem Ort" aus dem Pfingstgeschehen direkt auf die NAK überträgt. So wird wieder sehr eindrucksvoll deutlich, wie er die NAK betrachtet, nämlich als der exklusive Ort, an dem Segnungen hingenommen werden können. Er verglich in diesem Zusammenhang die Urkirche sehr häufig mit dem "Werke Gottes in dieser Zeit" (NAK). Auch als es in seiner Predigt um die Spötter ging. So sagte er sinngemäß: "Damals gab es Spötter und heute gibt es immer noch Spötter, es hat sich nichts geändert". Ein Seitenhieb an alle Kritiker, sehr früh zu Beginn des Gottesdienstes. Er blieb aber sehr allgemein und konkretisierte dies nicht. Die subtilen Drohungen auf das Ergehen der Spötter bei der Wiederkunft Christi fehlten natürlich nicht, ebenso fehlte nicht der Hinweis auf die ewige himmlische Herrlichkeit für die Treuen.

 
Totenkult gleich zu Beginn

Gleich zu Beginn des Gottesdienstes durchzog mich ein Schauer, allerdings kein heiliger, sondern ein eiskalter. Der Stammapostel begrüßte speziell den bereits verstorbenen Bezirksapostel Rockenfelder. Er sei anwesend in diesem Gottesdienst! Aber verbietet uns die Bibel nicht den Kontakt zu den Toten? Mir wurde ganz anders und ich überlegte ob ich gehen sollte, doch ich blieb.

 

Halbherzige Lehrveränderungen

Nun war ich erneut überrascht, las doch der Stammapostel folgenden Verse aus 2. Kor. 1,21-22 vor: "Gott ist's aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat." Ich dachte: "Da steht es doch, der Stammapostel liest es selbst vor, nicht die Apostel versiegeln und geben den Geist, sondern Gott selbst! Was will der Stammapostel wohl dazu sagen?" Und tatsächlich der Stammapostel bestätigte, dass Gott den Geist gibt und versiegelt und nicht die Apostel. Er sagte, die Apostel seien aber die Werkzeuge dazu. Gott hätte nach Pfingsten das Sakrament der Versiegelung gegeben, sagte der Stammapostel. Nun, ich war platt, so hat man doch tatsächlich die Meinung aufgegeben, die Apostel würden versiegeln und den Heiligen Geist spenden. Dies steht jedoch im Katechismus der NAK dem Büchlein Fragen und Antworten in Frage 180 noch ganz anders. Super, da hat sich wirklich was verändert! Als meine erste Euphorie über diese positive Lehrveränderung vorüber war, kam jedoch die Ernüchterung. Den Heiligen Geist spendet zwar Gott und er versiegelt auch, aber als Werkzeuge dafür braucht er die Apostel der NAK?! Oder aus Sicht der Menschen: Den Heiligen Geist bekomme ich nur in der NAK, weil es da die Werkzeuge Gottes gibt, derer sich Gott bedient?! Nein, das kann nicht sein. Wieder oder besser gesagt immer noch Exklusivanspruch der NAK! Aus der Bibel jedoch erfahren wir, dass Gott sich nicht an Menschen bindet, dass das Wirken des Heiligen Geistes frei ist (Joh. 3,8).

Mir ist dabei deutlich geworden, diese Lehrveränderung wird einfach so im Gottesdienst innerhalb einer Predigt unter das Glaubensvolk gestreut. Sie wird nicht mal als Änderung kenntlich gemacht, geschweige denn, dass man sagt, man habe sich geirrt. Es wird einfach so nebenbei im Gottesdienst eine neue Lehre eingeführt und es wird fast so getan als wäre dies ja schon immer so gewesen.

 

Das Evangelium der NAK

Es kommt bezüglich der Lehrveränderungen aber leider noch unaufrichtiger. Am Ende des Gottesdienstes sagte der Stammapostel bzgl. der Veränderungen, dass diese gar keine Veränderungen seien, sondern in Wirklichkeit Weiterentwicklungen. Aha, es verändert sich gar nichts, sondern es entwickelt sich weiter?! Am Evangelium habe sich nichts verändert, sagte er, lies jedoch in diesem Augenblick - wie fast immer - offen, was das Evangelium denn sei. Einige Zeit vorher im Gottesdienst sagte er, dass das Evangelium bis in den letzten Winkel der Erde (sinngemäß) verkündet wird. Und dabei rutschte es ihm sozusagen nebenbei heraus: "Auch dort glaubten die Menschen an >>die Sendung der Apostel<< und die Wiederkunft Christi!" (sinngemäß) Das ist also das Evangelium: Der Glaube an die >>Sendung der Apostel<<! Nach biblischem Bericht ist das Evangelium Jesu Christi, die frohe Botschaft Jesu Christi, aber etwas anderes. Es ist die Botschaft: Es gibt Errettung für Dich, Der Herr hat sich für Dich geopfert, glaube an Ihn, dann sind Dir die Sünden vergeben und Du bist gerechtfertigt vor Gott. So sagt der Herr selbst in Joh 3,1: "Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen (einzig geborenen) Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." Nicht der Glaube an >>die Sendung der Apostel<< ist das Evangelium, sondern die frohe Botschaft von Jesus Christus und der Glaube an Ihn.

Die Exklusivität der Neuapostolischen Kirche wurde in diesem Gottesdienst wieder überdeutlich. So leitete der Stammapostel oft ohne Pause von der Urkirche über zur NAK (z.B. bei dem Thema Spötter). Er erweckte dadurch den Eindruck als gäbe es keinen Unterschied zwischen der ersten Gemeinde im NT und der NAK. So steht es ja auch in den NAK-Schriften. Sie, die Neuapostolische Kirche, versteht sich als die Fortsetzung der Urkirche. Es war die Rede von der Gotteskindschaft, vom Werk Gottes, von der Sammlung der Auserwählten zur Vollzahl für das himmlische Abendmahl bei der Wiederkunft Christi usw... Der Neuapostolische weiß, hier ist immer die NAK gemeint und keine andere Gemeinschaft.

Leider kann ich nicht alles wörtlich zitieren, denn Mitschreiben und Aufzeichnen ist ja verboten. So kann ich nur das wiedergeben, was mir im Gedächtnis geblieben ist und meistens nur sinngemäß zitieren.

 

Du sollst die Toten nicht befragen!

Geschüttelt hat es mich ganz besonders bei dem Teil des Gottesdienstes, als das Abendmahl für die Entschlafenen gereicht wurde. Wer schon mal auf dieser Website den Artikel über die Entschlafenengottesdienste gelesen hat, weiß, wie ich über diese Vorgänge in der NAK denke. Und so war es für mich nicht leicht diese Dinge heute zu erleben. Ich glaubte kaum, was ich da hörte: Der Stammapostel fragte die bereits verstorbenen Stammapostel, ob sie mit der Entwicklung der NAK zufrieden seien?! (sinngemäß) Stammapostel Richard Fehr erwartete wohl gar keine Antwort, denn er redete gleich weiter. Ganz gleich, ob er eine Antwort auf seine Frage erwartete oder ob seine Frage an die Verstorbenen eine rhetorische Frage war oder ob er dies nicht ganz so ernst meinte - diesen Eindruck hatte ich allerdings nicht -, weiß der Stammapostel der Neuapostolischen Kirche denn nicht, dass man die Verstorbenen nicht befragen darf? "... so sollst du nicht lernen, die Greuel dieser Völker zu tun, daß nicht jemand unter dir gefunden werde, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt oder Wahrsagerei, Hellseherei, geheime Künste oder Zauberei treibt oder Bannungen oder Geisterbeschwörungen oder Zeichendeuterei vornimmt oder die Toten befragt. Denn wer das tut, der ist dem HERRN ein Greuel, und um solcher Greuel willen vertreibt der HERR, dein Gott, die Völker vor dir." (5Mo 18,9-12) Als ich diese Frage an die verstorbenen Stammapostel hörte sträubten sich mir die Nackenhaare und ich wäre am liebsten sofort gegangen.

 

Wiederholungen, falsches Evangelium, Totenkult

Auf die Predigten der Apostel Klinger, Wendt und Sauer einzugehen lohnt sich kaum, denn es waren leider wieder Wiederholungen des vom Stammapostel gesagten (Klingler) oder Gefühlsbetonungen bzgl. des schönen Gottesdienstes (Wendt) und Hinweise auf die Opferwilligkeit [Geld] der unter dem Heiligen Geist stehenden (Sauer).

Zusammenfassend muss ich leider sagen, dass dieser Gottesdienstbesuch nichts wesentlich geändert hat. Was ich heute im Pfingstgottesdienst der Neuapostolischen Kirche erlebt habe, war alles andere als die Wirkung des Heiligen Geistes.

Apostel, die ein falsches Evangelium verkünden (Glaube an die Sendung der Apostel), die immer noch - nun als Werkzeuge - Gott und Menschen von sich abhängig machen wollen und Apostel, die Tote befragen, begrüßen und einladen, können keine Apostel Jesu Christi sein.

Ich bitte jeden Neuapostolischen, der diese Zeilen liest, kehre um, wende Dich dem Gott der Bibel zu. Noch ist Zeit zur Umkehr. Glaube und vertraue Jesus.
 
"Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden." (Apg. 4,12)

"Denn es ist EIN Gott und EIN Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus," (1Tim 2,5)
 
Lutz Jusko

Pfingsten 30. Mai 2004

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