Zeugnisse

Falk Peiler

Und sie glaubten der Schrift !

... und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte. (Joh. 2, 22 EÜ)

Von Kindheit an neuapostolisch erzogen, hatte ich an Gott als himmlischen Vater und an seinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, als meinen Freund und Bruder glauben gelernt. Dass er eine Kirche gegründet hat, die er "persönlich unter die Leitung des Petrus und seiner Mitapostel stellte" (FuA bis 1992, Nr. 216), gehörte ebenso zu meinem neuapostolischen Glauben wie die Überzeugung, dass man sich auf die von Jesus gesprochenen und in der Heiligen Schrift überlieferten Worte immer verlassen kann, denn im neuapostolischen Gemeindechor hatte ich stets sehr bewusst mitgesungen:

"Wenn dein Wort soll nicht mehr gelten, worauf soll der Glaube ruhn?" (nap. CM 156)

Gerade deshalb kam ich nun aber mit weiteren Inhalten der neuapostolischen Lehre in Konflikt. Dem Bericht des Matthäus – Evangeliums zufolge hatte Jesus über die Entwicklung seiner Kirche vorausgesagt

"Die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen." (Matthäus 16, 18 EÜ)

Die Neuapostolische Kirche hingegen lehrt, dass die von Jesus gegründete "erste" apostolische Kirche schon bald nach dem Tod der biblischen Apostel zu existieren aufhörte und deshalb um das Jahr 1830 wiederaufgerichtet werden musste, so dass eine "neue" apostolische Kirche entstand.

 
Ich schlussfolgerte:

Wenn die Kirche Christi in Erfüllung der Voraussage Jesu gar nicht überwältigt war, musste sie auch zu keinem Zeitpunkt wiederaufgerichtet werden.

Über die Dauer der Wirksamkeit des heiligen Geistes hatte Jesus dem Bericht des Johannes – Evangeliums zufolge vorausgesagt:

"...ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit ..."(Johannes 14, 16.17.EÜ)

Die Neuapostolische Kirche jedoch behauptet, dass mit dem Tod der biblischen Apostel auch die Zeit der Wirksamkeit des heiligen Geistes in der Kirche endete. Um 1830 habe eine zweite Ausgießung des heiligen Geistes erfolgen müssen, da man zuvor vergeblich darum bemüht gewesen sei, "die fehlende Kraft des heiligen Geistes durch eifriges Studium der überlieferten Schriften zu ersetzen."(FuA bis 1992 Nr. 196)

 

Mir wurde bewusst:

Wenn der heilige Geist in Erfüllung der Voraussage Jesu für immer bei seiner Kirche geblieben ist, hat die Kraft des heiligen Geistes der Kirche zu keinem Zeitpunkt gefehlt, so dass eine zweite Ausgießung des heiligen Geistes nicht erforderlich war.

Weiterhin geht die Neuapostolische Kirche davon aus, dass nach dem Tod des Apostels Johannes niemand mehr die apostolische Sukzession weiterführen konnte, so dass die "Wirksamkeit der Apostel unterbrochen wurde.

 

Ich erkannte:

Jesus hatte eine ununterbrochene apostolische Wirksamkeit vorausgesagt, als er seinen Aposteln versicherte:

"Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt."
(Matthäus 28, 20 EÜ)

Außerdem erwartet die Neuapostolische Kirche Christi Wiederkunft und die damit verbundene Auferstehung der "in Christus Verstorbenen" (1. Thess. 4, 16) nicht für den Jüngsten bzw. Letzten Tag, zu dem Jesus sie nach Aussage des Johannes – Evangeliums Kap. 6, 39.40.44.54. mehrmals angekündigt hat, sondern bereits an einem weit vor diesem Zeitpunkt liegenden sog. "Tag der Ersten Auferstehung".

Nachdem mir bewusst geworden war, dass ich in den hier zuvor genannten Fällen nicht gleichzeitig an die Erfüllung der Voraussagen Jesu und an die Richtigkeit der neuapostolischen Lehre glauben konnte, entschied ich mich dafür,

"der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte" (Johannes 2, 22 EÜ)

zu glauben.

Deshalb bin ich am 05.06.1992 offiziell aus der Neuapostolischen Kirche ausgetreten.

Im ersten nicht-neuapostolischen Gottesdienst, den ich dann besuchte, stand das Evangelium von der Heilung des Blindgeborenen nach Johannes Kap. 9 im Mittelpunkt. Ich fühlte mich sofort angesprochen. War ich nicht ebenfalls gewissermaßen blind = neuapostolisch geboren? Und vor allem, bin ich nicht völlig blind dafür gewesen, dass ich mit meinem neuapostolischen Glauben Jesus letztlich immer wieder unterstellte, er würde sein Wort nicht halten? Aber Jesus hat auch mich geheilt und mir die Augen geöffnet.

 
Deshalb glaube ich nun nicht mehr länger:
  • Dass die von Jesus gegründete Kirche zu irgendeinem Zeitpunkt wiederhergestellt bzw. wiederaufgerichtet werden musste
  • Dass der heilige Geist noch ein zweites Mal ausgegossen werden musste
  • Dass die apostolische Sukzession unterbrochen wurde und
  • Dass Jesus bereits weit vor dem Jüngsten Tag wiederkommen und die "Toten in Christo" auferwecken wird.

"Denn des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss!" (Ps 33,4 LÜ)

Viele Grüße Falk Peiler

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