Gibt es eine Errettung nach dem Tod?

Einleitung

Nach neuapostolischer Lehre ist eine Errettung noch nach dem Tod des stofflichen Körpers möglich. Darum werden sogenannte Entschlafenengottesdienste abgehalten. Während eines solchen Gottesdienstes sollen die schon Verstorbenen durch die lebenden Apostel der NAK an den “Gnadenhandlungen” teilhaben können, die stellvertretend für die Toten von Lebenden hingenommen werden (aus dem ehem. Katechismus der NAK dem Buch „Fragen und Antworten”, Frage 248 u. Frage 249). Heute heißt es im Katechismus der Neuapostolischen Kirche sinngemäß gleich: “Seit dem Opfer Christi ist der Zustand der Seelen im Jenseits zum Guten hin veränderbar. Heil kann also auch noch nach dem leiblichen Tod erlangt werden.” 1) “… Die Spendung der Heiligen Wassertaufe, der Heiligen Versiegelung und des Heiligen Abendmahls für Entschlafene geschieht, indem die jeweilige sichtbare Handlung an Lebenden vorgenommen wird … Die Heilswirkung kommt hierbei nicht den Lebenden, sondern einzig den Entschlafenen zugute.” 2)

Aus der Heiligen Schrift jedoch geht hervor, dass eine Erlösung und Errettung nach dem natürlichen Tod nicht mehr möglich ist. Der Tod markiert eine Grenze, nach deren Übertritt der Mensch keine Möglichkeit zur Umkehr mehr hat (siehe das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus). Dies geht aus mehreren Textstellen hervor:

“Und zu diesem allen ist zwischen uns und euch (den Bereichen in der Ewigkeit) eine große Kluft festgelegt, damit die, welche von hier zu euch hinübergehen wollen, es nicht können, noch die, welche von dort zu uns herüberkommen wollen.”
(Luk. 16, 26)

“Und wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach Und wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht” (Hebr. 9, 27)

“Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse” (2. Kor. 5, 10)

Was müssen wir aus diesen Textstellen schließen? Es gibt verschiedene Bereiche in der Ewigkeit. Zwischen diesen Bereichen ist aber eine große Kluft, die niemand überwinden kann. Das Gegenteil aber wird von der NAK gelehrt, denn dies wäre die Voraussetzung zur Errettung Verstorbener. Darüber hinaus müssen wir feststellen: Was ein Mensch zu Lebzeiten geglaubt und getan hat, entscheidet über Errettung oder Verdammnis. (siehe auch: Hebr. 9, 27; 2. Kor. 5, 10; Off. 20, 11-15)

Seelen, denen das Evangelium nicht verkündet werden konnte

Man wird vielleicht fragen: “Aber was ist mit den Seelen, die das Evangelium von JESUS CHRISTUS zu Lebzeiten nicht vernehmen konnten, weil es keinen gab, der es ihnen verkündigte?”

Wir Menschen dürfen kein Rettungskonzept konstruieren, das nicht der biblischen Lehre entspricht und damit unter Umständen eine notwendige Entscheidung, die zu Lebzeiten getroffen werden muss, verhindert. Selbst wenn wir nicht wüssten, wie Gott an den Seelen handelt, die nichts von der Errettung durch JESUS CHRISTUS gehört haben, dürfen wir nicht an den Worten Gottes, die uns in der Bibel offenbart werden, vorbei lehren und praktizieren. Gott lässt uns aber nicht im Unklaren über diese Gruppe. Im Römerbrief finden wir folgende Hinweise:

„Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn sein unsichtbares <Wesen>, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien; weil sie Gott kannten, ihn aber weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde.” (Röm. 1, 18-21)

Denn so viele ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verlorengehen; und so viele unter Gesetz gesündigt haben, werden durch Gesetz gerichtet werden – es sind nämlich nicht die Hörer des Gesetzes gerecht vor Gott, sondern die Täter des Gesetzes werden gerechtfertigt werden. Denn wenn Nationen, die kein Gesetz haben, von Natur dem Gesetz entsprechend handeln, so sind diese, die kein Gesetz haben, sich selbst ein Gesetz. Sie beweisen, daß das Werk des Gesetzes in ihren Herzen geschrieben ist, indem ihr Gewissen mit Zeugnis gibt und ihre Gedanken sich untereinander anklagen oder auch entschuldigen – an dem Tag, da Gott das Verborgene der Menschen richtet nach meinem Evangelium durch Jesus Christus.” (Röm. 2, 12-16)

Jeder Mensch also kann den HERRN und seinen Willen, zum einen in seiner Schöpfung und zum anderen im eigenen Gewissen, erkennen und wahrnehmen. Niemand kann sich entschuldigen für sein sündiges Handeln und seinen Unglauben. Das eigene Gewissen legt Zeugnis ab über die Existenz Gottes. Jeder hat aufgrund dieser Erkenntnis die Möglichkeit, sich dem Schöpfer unterzuordnen und ihm zu dienen.

Träume und Visionen

Um die Korrektheit der neuapostolischen Glaubenspraxis der Entschlafenengottesdienste zu stützen, wird oft von Träumen und Visionen der Geschwister, als Beispiele für die Wirksamkeit und das Verlangen der Seelen in der Ewigkeit, in den Gottesdiensten und der Zeitschrift ‘Unsere Familie’ berichtet.

Was ist von solchen Berichten zu halten, können wir Träume als Beweis für die Wahrheit eines Sachverhaltes verwenden, was sagt der HERR zu solchen Träumen? Auch hierauf gibt die Bibel wieder eine Antwort:

„Ich habe gehört, was die Propheten sagen, die in meinem Namen Lüge weissagen und sprechen: Mir träumte, mir träumte! Wie lange <noch>? Haben die Propheten <etwa> im Sinn – sie, die Lüge weissagen und Propheten des Truges ihres Herzens sind -, beabsichtigen sie <etwa>, meinen Namen bei meinem Volk in Vergessenheit zu bringen durch ihre Träume, die sie einer dem anderen erzählen, so wie ihre Väter meinen Namen über dem Baal vergaßen? Der Prophet, der einen Traum hat, erzähle den Traum! Wer aber mein Wort hat, rede mein Wort in Wahrheit! Was hat das Stroh mit dem Korn gemeinsam? spricht der HERR.” (Jer. 23, 25-28)

Neuapostolische “Schriftbelege”

Können die von der NAK zur Rechtfertigung ihrer Lehre angeführten Bibelstellen bei näherer Betrachtung diesem neuapostolischen Anspruch gerecht werden?

1. Kor. 15, 29

“Was werden sonst die tun, die sich für die Toten taufen lassen? Wenn überhaupt Tote nicht auferweckt werden, warum lassen sie sich denn für sie taufen?” (1. Kor. 15, 29)

Eine Textstelle, die besonders gern in diesem Zusammenhang zitiert wird. Es gibt mehrere Auffassungen zu dieser Textstelle. Die eine, dass hier eine stellvertretende Taufe, der schon Verstorbenen durch die noch Lebenden vollzogen wurde (Auffassung der NAK), die andere, dass die, welche sich taufen ließen, die Lücken ausfüllten, die durch jene entstanden, welche ihres Glaubens wegen den Märtyrertod sterben mussten. Damals fiel die Taufe und die darauf folgende Verfolgung und der daraus oft resultierende Märtyrertod in einen engen zeitlichen Zusammenhang, so dass man hier von einer Taufe an Stelle der Toten und nicht stellvertretend für die Toten sprechen kann. Eine andere Auffassung meint, dass das Griechische auch bedeuten kann: >getauft wegen der Toten<. Dann kann damit eine Taufe von Menschen gemeint sein, die durch das Zeugnis eines jüngst verstorbenen Christen beeinflusst worden sind, und hoffen, mit ihm bei der Auferstehung vereint zu sein.

Der Apostel Paulus erwähnt hier diese Handlung. Er lässt aber völlig offen, wie er dieses Tun bewertet, denn es geht in diesem Kapitel nicht um die Taufe, geschweige denn um eine Möglichkeit der Errettung nach dem Tod, sondern um die Realität der Auferstehung JESU CHRISTI. Aus dieser Textstelle die neuapostolische Glaubenspraxis ableiten zu wollen heißt, sein Haus auf Sand zu bauen. Darüber hinaus müssen wir uns fragen, warum das Neue Testament an keiner Stelle davon berichtet, dass Lebende stellvertretend für Tote das Abendmahl empfingen sowie getauft und “versiegelt” wurden (zur Versiegelung möchte ich auf den Aufsatz “Der Heilige Geist in der NAK” auf dieser Website hinweisen).

1. Petrus 4, 6

“Denn dazu ist auch den Toten gute Botschaft verkündigt worden, damit sie zwar den Menschen gemäß nach dem Fleisch gerichtet werden, aber Gott gemäß nach dem Geist leben möchten.” (1. Petrus 4, 6)

Wer ist mit diesen ‘Toten’ gemeint? Die Gläubigen bzw. gehorsamen Entschlafenen des Alten Bundes, oder die Ungläubigen? Zu welchem Zweck, wann und von wem wurde diesen das Evangelium verkündigt? Die Antwort auf diese Fragen lautet: “Dieser Vers bezieht sich auf Menschen, denen das Evangelium gepredigt wurde, als sie noch auf Erden lebten und dem Herrn glaubten. Wegen ihres tapferen Einstehens für die Wahrheit litten sie von den Händen böser Menschen, und in einigen Fällen wurden sie sogar zu Märtyrern. Diese Gläubigen, obwohl sie >den Menschen gemäß nach dem Fleisch gerichtet< oder verurteilt worden sind, wurden von >GOTT< gerechtfertigt. Sie genießen nun das ewige Leben bei ihm. Sie waren nicht tot, als ihnen das Evangelium gepredigt wurde. Doch sie sind jetzt leiblich tot …” 3)

1 .Petrus 3, 19-20

“In diesem ist er auch hingegangen und hat den Geistern im Gefängnis gepredigt, die einst ungehorsam gewesen waren, als die Langmut Gottes in den Tagen Noahs abwartete, während die Arche gebaut wurde, in die wenige, das sind acht Seelen, durchs Wasser hindurch gerettet wurden.” (1. Petr. 3, 19-20)

Mit ‚diesem‘ in Vers 19 ist der Heilige Geist aus Vers 18 gemeint. Wenn dort in Vers 18 ‚dem Geist‘ steht, dann ist im NT immer vom Heiligen Geist die Mit ‚diesem‘ in Vers 19 ist der Heilige Geist aus Vers 18 gemeint. Wenn dort in Vers 18 ‚dem Geist‘ steht, dann ist im NT immer vom Heiligen Geist die Rede. Dies weist H.L. Heijkoop in seinem Kommentar zum 1. Petrusbrief ab S. 333 eindrucksvoll und eindeutig nach. Das heißt: Er, der von Anbeginn der Welt da war, JESUS CHRISTUS, war im Heiligen Geist schon zu Noah’s Zeiten anwesend und hat das Evangelium durch die Predigt des Noahs verkündigt. Selbst wenn die Stelle so ausgelegt werden müsste, wie es die NAK gerne sähe, nämlich, dass Christus im Totenreich persönlich im neuapostolischen Sinne das Evangelium verkündigt hat, wie kann man daraus die NAK-Glaubenspraxis ableiten, dass lebende Menschen als Mittler zwischen Gott und den Menschen auftreten und meinen den Verstorbenen die Taufe, das Abendmahl und die Versiegelung spenden zu können? Im 1. Brief des Timotheus heißt es:

“Denn {einer} ist Gott, und {einer} ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, … ” (1. Tim. 2, 5)

2. Mak 12, 39-46

Das zweite Buch der Makkabäer gehört zu den Apokryphen. Dieses Buch ist deshalb der Heiligen Schrift nicht gleichzusetzen, da seine Herkunft und sein Inhalt zum Teil zweifelhaft ist. Selbst die NAK hält dies sinngemäß in ihrem Katechismus -Das Buch „Fragen und Antworten über den neuapostolischen Glauben“- in der Frage 8- fest. Warum begibt sich die NAK auf dieses Glatteis? Nicht umsonst verzichten die meisten Bibelübersetzungen auf dieses Buch. Doch wenn diese Stelle angesprochen wird, dann gilt es zu bedenken, dass dort davon ausgegangen wird, dass diese zwar sündig, aber in der Hoffnung der Auferstehung entschlafen sind, also keiner geistlichen Errettung mehr bedürfen! Zur Zeit der Makkabäer war es noch üblich, Opfer zur Sühne zu bringen, Jesu Opfer war noch nicht vollbracht (Alter Bund)! Hier der Text im Zusammenhang:

“Wenn er nicht erwartet hätte, dass die Gefallenen auferstehen würden, so wäre es überflüssig, ja töricht gewesen, für Tote zu bitten, Sodann aber bedachte er auch, dass denen, die als fromme Leute entschlafen, die herrlichste Gnadengabe bereitet ist, das ist ein frommer und heiliger Gedanke. Darum hat er auch für diese Toten ein Sühnopfer dargebracht, damit sie von ihrer Sünde erlöst würden” (2. Mak. 12, 44-46)

Spiritismus oder biblische Glaubenspraxis?

Was geschieht bei den dreimal jährlich stattfindenden Entschlafenengottesdiensten konkret? Die neuapostolischen Gemeinden beten weltweit für die Entschlafenen. Das ist zunächst wahrscheinlich nicht gefährlich, aber in Bezug auf ihren Zustand in der Ewigkeit sinnlos, wie wir weiter oben bereits festgestellt haben. Doch es passiert noch mehr: Die Gemeinde betet die „erlösungsbereiten“ Seelen herbei! Die Gemeinde bildet quasi die Brücke zwischen Diesseits und Jenseits. Auch die Gemeinde fungiert also als eine Art Medium! Dann vollzieht der Stammapostel am Altar an den Verstorbenen durch zwei Amtsträgern als Medium (meist Apostel) die Taufe, die Versiegelung und reicht ihnen das Abendmahl.

Wir haben also folgendes: Das Herbeirufen der Verstorbenen, Medien, die als Kanal dienen und sakramentale Handlungen an Verstorbenen! Nach meinem Verständnis ist dies Spiritismus!

Dr. Kurt E. Koch schreibt in seinem Buch Okkultes ABC über die Neuapostolische Kirche diesbezüglich folgendes:

„ … Die Vollmacht der Apostel reicht bis in den Hades, dem Bereich der Toten. Die Lebenden können nach dieser Lehre für die Toten eintreten, ja stellvertretend die Sakramente für die Toten empfangen, das heißt Taufe. Abendmahl und Versieglung. Als Belegstelle aus der Bibel nehmen sie die nicht kanonisierten Apokryphen 2. Makk. 12, 39f in Anspruch und aus dem Neuen Testament 1. Kor. 15, 29. Diese Bezugsstelle aus dem Korintherbrief ist an den Haaren herbeigezogen, Paulus hat weder die Vikariatstaufe (stellvertretende Taufe für die Toten) empfohlen noch verboten. Er erwähnt sie nur, weil zu seiner Zeit in den Gruppen der Essener und anderer sektiererischer Gruppen ein solcher Vorgang üblich war. Ein Beweis für die Berechtigung ist das nicht, auch nicht der Hinweis, daß Jesus den „Geistern im Gefängnis” (1. Petr. 3, 19) gepredigt hat. Die neuapostolische Versieglung der Verstorbenen gehört viel eher zum Gebiet des Spiritismus. Dazu ein Beispiel aus meiner Arbeit:

… Ein gläubiger Mann starb und hinterließ eine tief gläubige Frau. Beide waren nie für die Sektiererei offen gewesen. Einige Zeit nach dem Tod des Mannes kamen zwei Boten der Neuapostolischen Kirche, der Verstorbene wäre ihnen erschienen und hätte ihnen einen Auftrag erteilt. Sie sollten der Witwe mitteilen, daß sie sich der Neuapostolischen Kirche anschließen solle. Die tapfere Frau antwortete: ‘Mein Mann hat die Neuapostolische Kirche abgelehnt. Das war nicht mein Mann, der Ihnen erschienen ist, sondern ein Lügengeist. Betretet mein Haus nicht mehr.’ Wohl dem, der einen klaren Durchblick hat …


… Interessant ist auch eine ähnliche Aussage im Lehrbuch 1952, Art. 253, wo es heißt: Martin Luther sei aus dem Totenreich erschienen und hätte im Totenreich die Salbung mit dein Heiligen Geist (durch die Versieglung) erbeten. Das ist eine Trickwerbung, mit der Mitglieder gewonnen werden sollen. Das Wenige, das in diesem kurzen Kapitel berichtet worden ist, zeigt den unbiblischen Charakter der Neuapostolischen Kirche.“ 5)

Wir wollen noch mal genauer hinschauen, was mit Luther im Jenseits geschehen sein soll. Wir müssen wissen, in der Katholisch- apostolischen Kirche, einem Wegbereiter der heutigen Neuapostolischen Kirche, gab es keine Entschlafenengottesdienste. Aber wie kann das sein? Waren die Apostel der KaK etwa nicht vom Heiligen Geist erfüllt und wussten so nichts von dieser „heilsnotwendigen Wahrheit“? Wie auch immer, der Keim für Spiritismus war auch schon in den englischen Gemeinden der Katholisch- apostolischen Kirche angelegt. Man denke nur an die vielen angeblichen Träume und Visionen, die später zu den Apostelberufungen geführt haben, und an die übersinnlich und medial sehr begabten Schwestern der Familie Campbell:

“Nun lebte nicht weit von der Hütte Grubbs entfernt die Familie Campbell. Der Vater Campbell war ein Geistlicher und hatte zwei Töchter. Die ältere Tochter hieß Isabell. Diese wurde wie eine Heilige verehrt. Menschen pilgerten zu ihr hin. Es gab offensichtlich auch da schon besondere Gaben und Erscheinungen. Isabell ist allerdings früh an Tuberkulose verstorben. Der Geist und die Verehrung gingen dann auf ihre Schwester Mary über. Beide Mädchen hatten die „Gabe der Weissagung“ besessen und Visionen und Gesichte gehabt.

… ‘Diese Zeit war nun gekommen’, wird behauptet. Nun wurde auch Mary Campbell eines Tages schwer krank. ‘Lungentuberkulose’ lautete wie bei ihrer Schwester die Diagnose. Und nun heißt es weiter: 
‘An einem Abend lag sie dort, ohne ein Wort zu äußern, in stillem Gebet vertieft. Zwei Freundinnen waren bei ihr zu Besuch. Plötzlich erhob sie sich und trat auf ihre Füße. Sie redete in einer Sprache, die keiner der Anwesenden verstehen konnte … Sie wurde mit Kraft und Stärke angefüllt; denn aus eigener Kraft konnte sie diese besonderen und geheimnisvollen Worte nicht äußern. Dann legte sie sich wieder auf ihr Bett und war so schwach wie zuvor. Dies geschah am 21. März 1830.’“ 6)

Und dann war da noch die Familie MacDonald:

„Gleichzeitig lebte am anderen Ufer des Clyde in der kleinen Stadt Port Glasgow eine wegen ihrer Gottesfurcht und Frömmigkeit allgemein geachtete Familie, namens MacDonald, bei der sich alsbald ähnliche Zustände einstellten. Die beiden Brüder James und George lebten mit einer kranken Schwester zusammen, die zuerst vom Geist ergriffen wurde. James … war einst um Mittag von seiner Arbeit nach Hause zurückgekehrt, als er seine leidende Schwester mitten in den Konvulsionen (Zuckungen, verbunden mit einem Aufbäumen des Körpers; L. G.) jener neuen Inspiration fand. Die erschrockene und betroffene Familie schloß daraus, daß sie ihrem Ende nahe sei; da wandte sie sich in langer Rede an James und schloß mit dem Gebet, daß er sofort möge mit der Kraft des Heiligen Geistes begabt werden. Augenblicklich sagte James ruhig: ‘Ich habe sie.’ Er trat an’s Fenster und stand dort ruhig einige Minuten; seine Züge nahmen eine andere Gestalt an, mit majestätischem Schritt trat er an das Bett der Schwester und redete sie mit den Worten des 20. Psalms an: ‘Erhebe dich und stehe aufgerichtet!’ Er wiederholte die Worte, faßte sie bei der Hand und sie stand auf. Die Schwester hatte sich nicht nur für den Augenblick erhoben, sie war geheilt und sofort schrieb der Bruder an die anscheinend dem Tode nahe Mary Campbell und richtete an sie dieselbe Aufforderung mit demselben Erfolg (also eine ‘Fernheilung’ per Brief; L. G.). Die Kranke empfing den Brief mitten in der äußersten Schwäche, aber ohne hilfreiche Hand stand sie auf, erklärte sich für geheilt und war dem Leben wiedergegeben. Oft ließ sie sich nun als Inspirierte in großen Versammlungen hören, während die mehr nüchternen MacDonalds still und zurückgezogen ihre frühere Lebensart beibehielten.“ 7)

Diese Dinge geschahen in einem Zeitraum, in dem sich in Europa der Spiritismus ausbreitete (Justinus Kerner 1826, Seherin von Prevorst 1821 – 1829, Allan Kardec 1804–1869, Andrew Jackson Davis 1847). Ein Zufall?

Aber nun zurück zur Neuapostolischen Kirche bzw. zu einem weiteren Wegbereiter: die „Allgemeine christliche apostolische Mission“ (AcaM) bzw. die Hersteld Apostolische Zendingkerk (HAZK) der hölländisch- niederländische Zweig der Hamburger AcaM. Dort nämlich war der Hamburger Friedrich Wilhelm Schwarz tätig, der noch aus der Tradition der Katholisch- apostolischen Gemeinden geprägt war. Unter seiner Leitung geschah folgende:

„ … Schon in der Entstehungsphase der Neuapostolischen Kirche führte der Apostel Friedrich Wilhelm Schwarz im Rahmen umfassender Liturgiereformen am Himmelfahrtstag 1874 erstmals eine sogenannte Entschlafenentaufe durch. Seelsorgerlicher Anlass war die Frage nach der Heilsmöglichkeit für ein totgeborenes Kind in seiner Gemeinde. Schwarz knüpfte dabei an die Praxis der Fürbitte für Verstorbene in den Katholisch-apostolischen Gemeinden an … Da die Taufe und die Versiegelung durch Apostel als heilsnotwendig galten, entwickelte sich die Praxis, beide Sakramente Verstorbenen zu spenden. Das geschah anfangs für namentlich genannte Einzelne (u. a. Martin Luther und andere Reformatoren) … “ 8)

Tatsächlich sollen 1874 Luther an Ostern sowie Zwingli, Melanchthon und Calvin und andere an Himmelfahrt des gleichen Jahres die sog. Versiegelung, durch mediale Vermittlung erhalten haben. Friedrich Wilhelm Schwarz schreib dazu:

„Und denkt euch nur, am Ende des Gottesdienstes kam eine Weissagung (doch ich habe sie noch nicht empfangen): ‘Ich, der Herr … gedenke heute an meinen Knecht Martin Luther, damit er zu meiner Braut gehöre. Mein Knecht Verkruisen, gehe zu meinem Knecht, dem Apostel, und lasse dich taufen für meinen Knecht Martin Luther’. Mithin gehört Vater Luther fortan zu den Erstlingen und wohl zum Stamme Juda!“ 9)

Fazit

Angesichts der oben genannten biblischen Textstellen lassen sich keine Handlungen entsprechend der sog. Entschlafenengottesdienste -wie sie in der NAK praktiziert werden- ableiten, geschweige denn ihre Korrektheit beweisen. Im Zusammenhang mit den biblischen Schriftbelegen, die ich weiter oben angeführt habe, muss man dieses Handeln als falsch beurteilen.

Selbst wenn wir nicht jede Möglichkeit des Heilsplans Gottes für jede einzelne Seele eindeutig kennen, dürfen wir doch nicht eigenmächtig versuchen, eine Erlösungsmöglichkeit zu konstruieren. Dies müssen wir unserem GOTT überlassen, der einzige, der Seelen retten kann.

Der Keim des Spiritismus war schon in der Katholisch- apostolischen Kirche angelegt. Dieser dämonische Einfluss setzte sich über die AcaM bzw. der HAZK bis in die Neuapostolische Kirche fort. Ich selbst habe erschreckende Visionen während eines neuapostolischen Entschlafenengottesdienstes gehabt. Heute weiß ich, dass diese Visionen dämonischen Ursprungs waren. Denn Gott lässt diese Kontakte nicht zu:

„Da sprach er (Lazarus): So bitte ich dich, Vater, daß du ihn in das Haus meines Vaters sendest – denn ich habe fünf Brüder –, daß er sie warnt, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen! Abraham spricht zu ihm: Sie haben Mose und die Propheten; auf diese sollen sie hören! Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun! Er aber sprach zu ihm: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, so würden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer aus den Toten auferstände! (Luk. 16, 27-31)

Aus diesem Grunde und auch aus weiten biblischen Schriftbelegen muss man Träume und Visionen von Verdorbenen als dämonische bzw. satanische Verführungsversuche kennzeichnen.

Wenn Menschen und vor allem sein Volk sich mit den Toten und mit allerlei Spiritistischem beschäftigt, ist das dem Herrn ein Gräuel:

„Wenn du in das Land kommst, das der Herr, dein Gott, dir gibt, so sollst du nicht lernen, nach den Greueln jener Heidenvölker zu handeln. Es soll niemand unter dir gefunden werden, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen läßt, oder einer, der Wahrsagerei betreibt oder Zeichendeuterei oder ein Beschwörer oder ein Zauberer, oder einer, der Geister bannt, oder ein Geisterbefrager, oder ein Hellseher oder jemand, der sich an die Toten wendet. Denn wer so etwas tut, ist dem Herrn ein Greuel, und um solcher Greuel willen vertreibt der Herr, dein Gott, sie vor dir aus ihrem Besitz.“ (5. Mose 18, 9-12)

Weitere Schriftstellen in diesem Zusammenhang: 3. Mose 19, 26; Gal. 5,  19-20; Apg. 19, 19)

Lieber Neuapostolischer, ich möchte Dich nicht persönlich angreifen. Mir ist aus eigener Erfahrung bewusst, dass es schwer fällt, diese grundlegenden Dinge des Glaubens auf den Prüfstand zu stellen. Ich möchte Dir aber helfen, den von Gott gelegten Weg der Errettung zu erkennen und Dich von diesen unbiblischen Handlungen der Entschlafenegottesdienste abhalten. Denn es ist unsinnig und unwirksam für die Verstorbenen sowie unbiblisch und dem Herrn ein Gräuel! Der einzige, der jubiliert, ist der Widersacher Gottes, weil seine Verführung Erfolg gehabt hat und er seinen dämonischen Einfluss ausweiten konnte.

Ich bitte Dich, prüfe die Lehre, der Du folgst und die Dir verkündet wird, an dem geschriebenen Wort Gottes (1. Thess. 5, 21; Apg. 17, 11). Auch das, was ich geschrieben habe, übernimm nicht, ohne es an der Heiligen Schrift zu prüfen. Ergeben sich Widersprüche zwischen der Lehre, die Dir durch Menschen verkündigt wird und der Heiligen Schrift, dann musst Du Dich entscheiden:  “Wem vertraue ich mehr, Gott, der sich durch die Heilige Schrift offenbart (2. Tim. 3, 16), oder Menschen, die irren können?”

„Denn einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. (1. Kor. 3, 11)

“…damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe. Denn so hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen (einzigen) Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat” (Joh. 3, 15-16)

© Lutz Jusko

Hinweis / Quellen

Alle Bibelzitate (außer Apokryphen) sind der Revidierten Elberfelder Bibel von 1985 oder der Schlachter 2000 entnommen. Die Apokryphen sind der Revidierten Lutherbibel von 1984 entnommen.

Quellen:
1) Katechismus der Neuapostolischen Kirche, 9.6 Hilfe für Entschlafene, http://www.nak.org/de/katechismus/9-das-leben-nach-dem-tod/96-hilfe-fuer-entschlafene/
2) Katechismus der Neuapostolischen Kirche, 9.6.3 Heilsvermittlung an Verstorbene ,http://www.nak.org/de/katechismus/9-das-leben-nach-dem-tod/96-hilfe-fuer-entschlafene/963-heilsvermittlung-an-verstorbene/
3) William Mac Donald, Kommentar zum Neuen Testament, S.1345, Christliche Literatur-Verbreitung e.V., Bielefeld, 1992
5) Dr. Kurt E. Koch, Okkultes ABC: Ergänzungsband zum Buch “Seelsorge und Okkultismus“, 4. Auflage, 1996, Bibel- und Schriftenmission
6) Dr. theol. Lothar Gassmann, Auszüge aus einer Vorlesung an der Freien Theologischen Akademie Gießen
7) Zit. nach: Ev. Kirchenzeitung, Berlin 1864, S. 283. / Lothar Gassmann
8) (Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, https://ezw-berlin.de/html/3_3051.php)
9) De Herinnering, April/Mai 1874, Hrsg. Friedrich Wilhelm Schwartz, zitiert in: Das Entschlafenenwesen, S. 70ff.