Einleitung

Himmel Hölle neuapostolisch Ausstieg
Zwischen Himmel und Hölle

Mein Leben in der Neuapostolischen Kirche – Ein Leben zwischen Himmel und Hölle, nur ein Ausstieg konnte helfen, mein Bericht, wie es war neuapostolisch zu sein.

Hallo,
Ich bin Gabriele Tozzani (32) und gehörte ca. 6 Jahren der Neuapostolischen Kirche an. Ich bin dort nicht hineingeboren worden, sondern kam später dazu und ich hätte bis heute nicht gedacht, dass ich dieses „Werk Gottes“ verlassen würde. Zu Anfang war alles gesegnet.

Wie alles begann

Als ich dann versiegelt wurde, vor 6 Jahren, war alles vorbei. Ab da musste ich mir alles erst mal verdienen. Es ging schon damit los, als ich in einer Gemeinde war, dass ein Amtsträger mich ansprach: „Der Gottesdienst beginnt aber erst um halb acht!“ Da dachte ich, was ist das denn? Doch ich gab nicht auf und besuchte dort die Gottesdienste. Vor meiner Versiegelung wurde mir noch gesagt: „Sie müssen versiegelt werden, sonst werden Sie kein Gotteskind! Andere Kirchen haben so etwas nicht!“ Das machte mir Angst, sodass ich mich versiegeln ließ. Nach meiner Versiegelung, wollte kaum einer mit mir etwas zu tun haben. Das merkte ich an dem Tag, als ich versiegelt wurde. Als ich mir Hilfe vom Vorsteher holen wollte, hieß es stets: „Sie müssen an sich arbeiten und mehr beten … “.

Eine neue Gemeinde

Nach einiger Zeit, wechselte ich in einen anderen Bezirk und hoffte da meinen Seelenfrieden zu finden. Das war ja zu Anfang auch so, ich versuchte wieder im Chor zu singen. Doch eines Abends kam der Vorsteher auf mich zu und sagte: „Gabriele, wir haben am Sonntag ein Jugendchorsingen und möchte dich bitten, da nicht mitzusingen, weil wir da genug sind!“ Ich war völlig geschockt. Er entschuldigte sich noch nicht mal, dass er so mit mir umgegangen war.

Nun denn, es musste ja weitergehen. Nach längerer Zeit, wollte ich nun doch zu dieser Gemeinde dazu gehören und hatte von der ersten Gemeinde gebeten, mich doch in die Gemeinde W. zu überweisen. Doch es geschah nichts.
Ich musste erst den Apostel bitten, die Überweisung zu vollziehen.
Aber dazu gehören? So richtig dazugehörig fühlte ich mich nicht. Der Vorsteher stellte mich auch nicht der Gemeinde vor, wie es bei allen anderen gemacht wurde. Das wunderte mich doch sehr. Ich konnte zwar bei einigen Gemeindeaktivitäten mitmachen, doch der Vorsteher versuchte jedes Mal, an mir etwas auszusetzen.

Mein Aufenthalt in der Klinik

Ich musste nach langer Zeit wieder in die Klinik, durfte aber zwischendurch die Klinik verlassen, weil ich bei der Weihnachtsfeier dabei sein wollte. Doch als der Vorsteher mich sah, meinte er nur: „Gabriele, du bist doch im Krankenhaus, was machst du denn hier?“ Ich war total fertig, hätte er nicht sagen können: „Schön, dass du da bist!“ Mir ging es danach so schlecht, dass ich zurück in die Klinik gefahren werden musste.

Nach einiger Zeit konnte ich die Klinik wider verlassen. Ich versuchte trotz allem, die Gottesdienst weiter zu besuchen. Ich fragte mich, warum der Vorsteher stets Glaubensgeschwister umarmte, während es bei mir nur ein: ‚Hallo‘ und ein ‚Auf Wiedersehen‘ war! 

Um ein wenig Abstand von der NAK zu bekommen, besuchte ich eine Freikirche, in der ich wirklich willkommen war. Ich konnte mich dort ohne Vorwürfe und Probleme einbringen. Nun sehnte ich mich doch wieder in die Neuapostolische Kirche zurück. Ich hoffte, man würde sich freuen, wenn ich wieder da bin. Aber weit gefehlt. Beim Verabschieden meinte der Vorsteher zu mir: „Du sollst dir keine anderen Brunnen bauen. Den Segen findest du nur hier!“ Irgendetwas hatte er immer. Als ein junger Glaubensbruder von uns Heim gegangen war, wollte ich mich beim Vorsteher informieren, wann die Trauerfeier sei. Die Antwort war: „Gabriele, du solltest da nicht mit dabei sein!“ Die Gründe dafür sagte er mir nicht, was ich echt traurig fand.

Man wollte mich nun loswerden

Als ich im Urlaub in einer anderen Gemeinde war, sollte ich unserem Vorsteher Grüße übermitteln, was ich gerne tat. Doch unser Vorsteher erwiderte auf die übermittelten Grüße: „Gabriele, geh dahin, wo du willst, ich kann dich ja doch nicht halten.“ „Was soll das denn wieder?“, dachte ich! Ich habe doch nichts Böses getan! Er behandelte mich so, als hätte ich etwas Böses gemacht..

Nach einem Gottesdienst, hatte mich eine Glaubensschwester zum Eisessen eingeladen, sie hatte die Situationen auch mitbekommen, wie der Vorsteher mit mir umging und fragte: „Was hat der Vorsteher gegen dich?“ Ich sagte: „Ich weiß es nicht!“ Darauf die Schwester: „Hast du denn kein Hauspriester, so wie ich, mit dem du reden kannst?“ Nein, das hatte ich nicht. Mir wurde niemand zugeteilt, ich war allein.

Nach langer Zeit, teilte ich dem Vorsteher mit, dass ich aus der Neuapostolischen Kirche austreten werde. Doch der Vorsteher ganz locker: „Tja, dann musst du gehen!“ Als ob er schon lange darauf gewartet hätte. Nachdem meine Eltern bei ihm angerufen hatten, wurde nichts weiter gesagt als: „Ich kenne Gabriele schon so lange … !“ So lange? Da ich mit meinen Kräften am Ende war, schaute ich mir eine Nachbargemeinde an, um erst mal zur Ruhe zu kommen. Als ich noch mal in die bisherige Gemeinde ging, sagte mir der Vorsteher: „Nun solltest du dich hier verabschieden!“ So nach dem Motto: „Geh endlich“! Aber die Nachbargemeinde war mir zu groß, sodass ich eine kleinere Gemeinde aufsuchte.

Eine dritte Gemeinde

Ich besuchte nun eine Gemeinde in der Nähe. Zu Anfang sah es so aus, als könnte ich mich hier gut einbringen. Man hatte mich z. B. zum Flötenchor eingeladen. Doch auch hier ließ die Gemeinschaft nach. An einem Tag hatte ich mit dem Vorsteher eine Auseinandersetzung. Alles, was ich sagte, blockte der Vorsteher ab. Ich fragte ihn, warum man mich so behandelt, er sagte, er wüsste es selbst nicht.

Da ich unter einer Schwerbehinderung litt, musste ich während der Gottesdienste stets aufstehen und vor die Tür gehen, doch das hatte man nicht verstehen wollen. Statt mich zu fragen: „Was hast du denn?“ Kam nur: „Warum das immer!“Auch in der Klinik, in die ich musste, gab es keine Besuche. Obwohl die alle Zeit hatten im Seniorenheim zu singen und dort Besuche zu machen, bei mir war niemand!

Ich schrieb dem Bezirksapostel, doch der meinte nur: „Man darf niemals etwas infrage stellen oder verzweifeln. Das schwächt den Glauben!“ Mehr gab es nicht als Antwort.

Karten für den Jugendtag, musste ich mir woanders holen, weil die eigene Gemeinde, mich nicht dabei haben wollte, obwohl sogar ältere Jugendliche dabei sein durften.

Der Apostel droht!

Da mich der Vorsteher so unmöglich behandelte, wollte ich ein Gespräch mit dem Bezirksapostel haben. Meine Anliegen wurden zitiert, aber es wurde alles unter den Tisch gekehrt. So erfolgte ein weiterer Besuch in der Verwaltung mit dem Vorsteher zusammen. Ich nahm einen Ehemaligen aus der Neuapostolischen Kirche mit, damit ich nicht allein da stand. Als der Vorsteher auch in der Verwaltung ankam, sagte er zu uns kurz: „Guten Tag“ und verschwand bei der Sekretärin. Diesmal war nur der Apostel, nicht der Bezirksapostel zugegen. Doch der Vorsteher redete alles schön und er tat so, als ob nie etwas gewesen wäre. Ich stand da, als hätte ich etwas Schlimmes getan. Der Apostel meinte sogar, als ich frage: „Warum behandelt man mich so schlecht?“, „Da passen Sie mal auf, was Sie da sagen!“

Also die, welche sich da Apostel nennen, können auch aggressiv werden!

Man will mich wieder loswerden

Die Hoffnung, dass es nach diesem Gespräch besser gehen würde, wurde enttäuscht. Man behandelte mich wieder wie vorher und der Vorsteher fragte wie schon oft: „Warum gehst du nicht in eine andere Gemeinde?“ Ich fragte: „Was soll das denn wieder?“ Er meinte: „Ich weiß es nicht, ich bin überfordert!“ Aufgenommen hatte er mich auch nicht. Er rief mich stets an, aber nicht aus Nächstenliebe, sondern weil es die Chefetage verlangte. Zum bevorstehenden Jugendgottesdienst, nahm man mich nicht mit, ich musste zu diesem Zeitpunkt in die Gemeinde gehen.

Vom Altar wurde gesagt: „Wer länger keine Gottesdienste besucht, kann verloren gehen!“ Das ärgerte mich! Nach dem Gottesdienst kam eine Glaubensschwester auf mich zu und fragte: „Hast du einen BH an, darf ich mal sehen?“ Ich wies sie ab, dann redete sie mit anderen über mich und machte mich schlecht. Als danach der Vorsteher kam, berichtete ich ihm davon, doch er sagte bloß: „Tja, das ist eben so.“ Statt mir zu helfen und das Gespräch zu suchen, blockte er wieder ab.

Nachdem der Vorsteher mich erneut gefragt hatte, warum ich denn nicht in eine andere Gemeinde ginge, hielt ich es nicht mehr aus und ging.

Man kann aus meinem Bericht herauslesen, dass ich es in einigen Gemeinden versucht hatte, mich einzubringen. So, wie der Stammapostel es immer zu sagen pflegt: „Wir brauchen starke Mitglieder, bringt euch ein … !“ Aber wer ist damit gemeint? Die, die einen höheren Rang haben oder mehr Geld? Ich wurde sogar wegen meines Aussehens gehänselt.

Ich wurde weiterhin ausgegrenzt

Es gab extra einen Gottesdienst für Schwerbehinderte. Ich habe ja auch eine Schwerbehinderung, doch statt mir mit Liebe zu begegnen, wurde ich nur ausgegrenzt und wurde nur ungern zu den Gottesdiensten für Geschwister mit Behinderung mitgenommen. Auch nicht zum EJT09 (Europäischer Jugendtag 2009). Das war auch in der letzten Gemeinde so, ich wurde von jüngeren Gemeindemitgliedern gehänselt. Der Vorsteher nahm alle anderen auf, nur mich nicht. Er sprach kein einziges Wort mit mir. Man nahm mich zu keiner Veranstaltung mit, ich war allein! Man rief noch nicht mal zu meinem Ehrentag an, obwohl man das doch hätte machen können.

Ich besuche nun die Evangelisch-lutherischen Kirchen, singe dort im Chor, habe da meine Freiheit und ich bin dort gern gesehen. Selbst zum Evangelischen Kirchentag nahm man mich mit. Die neuapostolischen Amtsträger versuchten mich immer wider zurückzuholen. Aber das lehne ich nun strikt ab.

Mein letzter Versuch

Nachdem ich eine lange Zeit in der Evangelischen Kirche gewesen war, wollte ich es noch einmal mit der Neuapostolischen Kirche versuchen. Doch als ich dort erschien, fragte mich eine Glaubensschwester wie es mir ginge. Ich sagte: „Mir geht es schlecht.“ Die Antwort der Glaubensschwester war: „Es ist klar, dass es dir nicht gut geht, wenn du die Evangelische Kirche besuchst. Du musst dort hingehen, wo Apostel sind und das findest du nicht woanders, sondern nur hier!“ Ich habe gefragt: „Wo steht das in der Bibel?“ Darauf gab es keine Antwort. Das war mein letzter Besuch der NAK.

Jetzt ist Schluss!

Ich schrieb erneut dem Apostel und schilderte ihm meine Probleme und dass ich nun die Neuapostolische Kirche verlassen werde. Darauf bekam ich folgende Antwort: „Wir bedauern Ihre Entscheidung, aber Sie sollten das noch mal überdenken. Auf jedem Fall sind Sie immer wieder herzlich willkommen!“ Was für ein schwacher Trost. Nachdem ich dann gegangen war, gab es Telefonanrufe der Amtsträger, um mich wieder zurückzuholen. Doch ich lehnte jede Einladung ab. Vor allem wollte man mich auf einmal besuchen kommen. Abgelehnt! Ich hatte meine Eltern gebeten, beim Vorsteher wegen der ungebetenen Telefonanrufe anzurufen, damit endlich Ruhe einkehrt. Das taten sie und bis heute ist Ruhe.

Inzwischen habe ich auch Aussteigerforen gefunden, in denen sich ehemalige NAK-Angehörige zu Wort melden. Es können einem wirklich die Haare zu Berge stehen, wenn man das liest. Vor allem spiegelt sich vieles, was ich erlebte wider.

Abschluss

Ich hoffe, ich konnte mein Erleben auszugsweise verdeutlichen.

Ich möchte Mut machen: Jesus Christus ist der einzige Weg. Die neuapostolische Versiegelung ist unbiblisch. Sie wird nicht durch die Bibel legitimiert. Dies sind nur Denkweisen der Neuapostolischen Kirche. Statt in der eigenen Gemeinde mal aufzuräumen, werden neue Mitglieder geworben. Aber ich war denen wohl nicht gut genug.

Ich habe das Richtige getan, ich bin gegangen!


*Die Namen und Orte wurden geändert!

Literaturhinweise:
Wir empfehlen die Bibelübersetzung von Franz Eugen Schlachter in der Version 2000

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